Muskat; 12:23 Uhr

Die Sonne scheint sanft durch die offenen Fenster und taucht das Ballet der Vorhänge in warmes Licht. Zum Tanz der trägen weißen Riesen gesellen sich die winzigen Staubkörnchen die durch das Licht fliegen und von warmen Wind getragen werden.
Die Hitze des Tages durchdringt alles und scheint die Zeit zu verlangsamen.
Der Wind trägt weiter feinen Staub zum Fenster hinein. Vom Meer her kommend riecht er früh am Tag schon nach dem Salz des Meeres und dem Dreck der Stadt.
Ganz sanft dringen die Klänge der geschäftigen Metropole herein, während sie erwacht. Langsam wie die Zeit entwickelt sich das Treiben und drängt sich als warmes Summen in den Raum hinein.
Es herrscht Chaos und es liegen überall Flaschen, Müll, Kleidung und Fotos einer Sofortbildkamera herum. Irgendwer hat eine Büste eines antiken Dichters oder Feldherrn in einem Blumenkübel versenkt.
Regungslos liegt ein Körper auf einem Sofa. Ein junger Mann. Lässig hängen Arme und Beine über die Lehnen, als würde er schlafen. Auf dem Glastisch neben ihm stehen leere Flaschen, manche braun manche grün oder weiß, manche leer. Eine ist sogar zerbrochen, ihre Scherben liegen herum und brechen das Licht.
Der Fernseher läuft stumm und wiederholt ein ums andere Mal die Informationsdauerschleife des Hotels.
Das Klopfen an der Tür verhallt ungehört. Auch die Wiederholung bleibt unbeantwortet. Das elektrische Surren des Schlosses kündigt die Öffnung der Tür an, doch der Eintritt in das Zimmer ist blockiert.
Ein Stuhl und ein Tisch sind so verkeilt, dass die Tür kaum einen Spalt zu öffnen ist.
Schon schließt sie sich wieder und hastig entfernen sich die Schritte, während von draußen durch die Fenster immer mehr die Hitze und der Lärm der Stadt in Innere dringen.
Es vergehen Momente in denen das Zimmer in Regungslosigkeit verharrt, bevor in einem jähen Moment die Türe unter einer Last von außen zerbricht.
Geborstenes Holz fliegt in das Zimmer hinein. Ein Loch scheint zur anderen Seite durch. Es folgt eine Hand, die von außen die Blockaden löst und Stuhl und Tisch zur Seite drängt.
Es folgen Menschen, die sich langsam eine Weg durch das Dickicht an Müll und Möbeln bahnen. In einer stillen Sekunde durchschneidet ein schriller Schrei die Luft, bevor allen Menschen der Atem stockt. Außer einem, er atmete schon vorher nicht.
Unter ihm haben sich längst die Pfützen gebildet, die von nun an das letzte Zeichen eines einst blühenden Lebens sein sollen. Die Zeichen des Endes. Ein Denkmal, das mir jedem weiteren Wischen eines Lappens weiter verblassen wird.
Und so vergeht weiter die Zeit, bis keine weitere Erinnerung bleibt.

Inspiration:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.