Nora.

Als Herr Wollenstein und Frau Wollenstein ein Kind erwarteten, hatten sie schon viele Jahre schon gemeinsam verbracht. Manche sagten sogar, dass sie schon den besten Teil ihres Lebens hinter sich gelassen hatten, als sie Eltern wurden. In der Tat hatten Sie schon in jungen Jahren, nach einer sehr kurzen Zeit der Verlobung geheiratet, was für damalige Verhältnisse ungewöhnlich war. In den meisten Fällen wies es darauf hin, dass zum Zeitpunkt der Verlobung schon bekannt war, dass weniger als neuen Monate nach der Hochzeit ein Kinde geboren werden sollte. Bei Herr Wollenstein und Frau Wollenstein war aber weder zur Zeit der Verlobung, noch in den Jahren danach irgendein Anzeichen zu erkennen, dass Nachwuchs unterwegs war. Während Herr Wollenstein und Frau Wollenstein mit der Situation anscheinend zufrieden gewesen waren, ein ruhiges und weitgehend zurückgezogenes Leben lebten, wurde in der Nachbarschaft und am Stammtisch spekuliert, ob Herr Wollenstein überhaupt wisse, wie der Vorgang der Zeugung von statten zu gehen hatte. Es war schließlich weiterhin ungewöhnlich, dass ein Paar in dem Alter des Ehepaars Wollenstein noch keine Kinder hatte.

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Da der Rest des nach außen sichtbaren Lebens des Ehepaares Wollenstein äußerst korrekt und ohne jeden Makel geführt wurde, und weil die generelle Erscheinung der beiden Herrschaften auch bei den größten Konformisten als kleinbürgerlich galt, war weitgehend anerkannt, dass Herr Wollenstein und Frau Wollenstein so prüde waren, dass sie trotz ihrer Heirat und dem gemeinsamen Haus, sich immer noch siezten. In der Tat war niemals in der Öffentlichkeit ein Akt der Zuneigung oder jeglicher Körperkontakt beobachtet worden.Dennoch, und das erstaunte doch die meisten Menschen, bekamen sie nicht nur ein Kind, sondern, ganz offensichtlich liebten sie es abgöttisch. Sie taten alles für ihre Tochter Nora.
Nora Wollenstein war ein ausgesprochen hübsches Mädchen, was einige Herren in der Nachbarn verwunderte, denn als besonders attraktiv haben Sie Frau Wollenstein nie gesehen. Und auch Herr Wollenstein war nur von durchschnittlicher Größe und Statur und in seiner Erscheinung insgesamt nicht mehr als sehr gewöhnlich. Daher war es schon verwunderlich, wie Herr Wollenstein und Frau Wollenstein ein so schönes Kind hatten zeugen können.
Als Nora Wollenstein in die Schule kam, wollten alle Mädchen mit ihr befreundet sein, weil sie so hübsch war. Die Jungs fanden das zwar auch, interessierten sich aber eher für Raufereien und Fußball und außerdem fanden sie, dass Mädchen alles komisch waren und wollten eigentlich nichts mit ihnen zu tun haben.

Im Laufe der Zeit änderten sich die Einstellungen. Nach und nach entdeckten die Jungs ihr Interesse am anderen Geschlecht. Sie erkannten auch, dass Nora Wollenstein ein besonders hübsches Exemplar darstellte, dem sie gerne hinterher sahen. Einigen anderen Mädchen gefiel die Aufmerksamkeit die Nora Wollenstein auf sich zog aber weniger.

Auch Nora Wollenstein waren die geänderten Aufmerksamkeitsverhältnisse nicht verborgen geblieben, fühlte sich aber von dem wachsenden Interesse der Jungen zunehmend verfolgt. Dies lag nicht zuletzt daran, dass einige von ihnen immer öfter mit ihren Fahrrädern durch die Straße fuhren, in der die Familie Wollenstein wohnte. Es wurde vor allem dann auffällig als sie im Sommer durch die Straßen und um die Häuser kreisten, um einen Blick in den Garten zu erhaschen, in dem sich Nora bei gutem Wetter gerne sonnte.

Ein paar der Jungs trieben es sogar so weit, dass sie den Nachbarn in der Straße der Familie Wollenstein anboten die Rasen zu mähen und bei der Gartenarbeit zu helfen, nur um mit etwas Glück einen Blick auf Nora Wollenstein zu erhaschen. Dabei gingen Sie äußerst plump vor und blieben mit ihrem Begehren nicht vo Nora Wollenstein versteckt. Nora Wollenstein wiederum gefiel die gesteigerte Aufmerksamkeit immer weniger. Sie wünschte sich ihre Ruhe zurück und wollte sich einfach nur wieder sonnen – ohne dass sie die lüsternen Blicke ihrer Klassenkameraden auf sich spürte.
Eines Tages schließlich, in diesem außerordentlich heißen und sonnigen Sommer bat Nora Wollenstein Herrn Wollenstein um einen Gefallen. Es war wenige Tage vor ihrem Geburtstag und als Vater, der er war, konnte Herr Wollenstein seiner Tochter diesen einen Gefallen nicht abschlagen. Er würde alles für sie tun. Nicht zuletzt wollte es seiner Tochter dem Spaß am Sonnen nicht nehmen, denn schließlich war auch ihm nicht verborgen geblieben, wie die Augen der Jungen seiner Tochter hinterherjagten.
Und so kam es, dass Herr Wollenstein sich an die Arbeit machte. An einem sonnigen Morgen nahm er sich einen Spaten in die eine und eine Spitzhacke in die andere Hand und ging in den Garten und schritt zur Tat.
Es dauerte den größten Teil des Tages und die Sonne schien unerbittlich. Herr Wollenstein schuftete mit Hacke und Spaten im Garten seines eigenen Hauses. Mitten auf der Wiese, genau an der Stelle an der seine Tochter sich für gewöhnlich sonnte, hob er ein Loch aus. Die Grasnarbe ließ sich noch schnell entfernen, doch der lehmige Untergrund darunter erforderte seine ganze Kraft, die in seinem fortgeschrittenen Leben blieb. Er keuchte und schwitzte, doch hatte er sich zum Ziel gesetzt seiner Tochter den Wunsch um jeden Preis zu erfüllen und so kümmerte es ihn nicht, dass er an den Händen Schwielen und Blasen bekam, seine Haut rissig wurde und dass sein Rücken zu schmerzen begann. Als die Sonne langsam verschwand und die Dunkelheit einbrach, gönnte er sich eine Pause. Schon mit den ersten Sonnenstrahlen nahm er sein Werk wieder auf und schaufelte weiter Erde aus dem Loch, in das er nun selbst schon fast vollständig verschwand. Er wollte an diesem Tag fertig werden, am Geburtstag seiner Tochter.
Nora Wollenstein danke es ihrem Vater herzlich und überschwänglich, als er nicht ohne Stolz dem Loch entstieg, das er fast zwei ganze Tage lang ausgehoben hatte. Herr Wollenstein half Nora Wollenstein noch dabei ihre Liege in das Loch herab zu lassen, damit sie nun zum ersten Mal ohne Blicke von außen im Garten sonnen könne.
Befriedigt von dem Gefühl seiner Tochter den Gefallen erfüllt zu haben und dem Gefühl von schweren Gliedmaßen ließ sich Herr Wollenstein im Schatten auf einer Bank nieder, um die Ruhe und den Rest des Tages zu genießen. Es dauerte jedoch nicht lang, bis Nora Wollenstein das gerade fertig gestellte Loch wieder verließ, weinend an ihrem Vater vorbei eilte, ihn keines Blickes würdigte und sich in ihrem Zimmer einschloss.
Es dauerte bis zum späten Abend bis Herr Wollenstein und Frau Wollenstein es fertig gebracht hatten, dass ihre Tochter ihnen öffnete und den Grund für ihre Traurigkeit offenbarte. Sie wollte das Loch im Garten nicht mehr. Es habe keinen Zweck, berichtete Nora Wollenstein. Sie wäre ihrem Vater sicherlich dankbar, beschied sie, doch leider habe seine Mühe das Ziel verfehlt.
Am nächsten Tage stiegen Herr Wollenstein, Frau Wollenstein und Nora Wollenstein in das Loch und überzeugten sich gemeinsam davon, ob das Loch seinen Zweck erfüllte oder nicht. In der Tat konnte man von dem Boden des Lochs weder nach außen sehen, noch konnte man entdecken ob jemand in dem Loch war, wenn man außen stand. Es erfüllte den Zweck, dass man im Loch nicht gesehen wurde. Doch leider war das Loch so positioniert und so tief, dass auch die Sonne nicht bis zum Boden reichte, dort wo sich Nora Wollenstein eigentlich hatte sonnen wollen. Den ganzen Tag blieb es dunkel am Boden und selbst Mittags, wenn die Sonne am höchsten stand, schaffte es kein Sonnenstrahl das Loch in der Wiese zu erhellen.
Nora Wollenstein sonnte sich fortan nicht mehr. Ihre Schönheit blieb ihr aber natürlich erhalten. Und auch die Jungs im Ort folgten ihr noch eine Weile, bis auch sie begriffen hatten, dass auch die anderen Mädchen hübsch anzusehen waren und sich in den Gärten ihrer Eltern sonnten.
Herr Wollenstein und Frau Wollenstein blieb das Loch in Ihrem Garten noch eine Weile erhalten, bis Frau Wollenstein ihren Mann dazu bewegen konnte das Loch wieder zu verfüllen.
Herr Wollenstein übernahm auch diese Aufgabe und schritt mit der Schaufel zur Tat. Es dauerte dennoch bald eine ganze Woche, bis Herr Wollenstein die Erde die er einst ausgehoben hatte wieder in das Loch gebracht hatte.
Mit den Jahren wurde Nora Wollenstein erwachsen, zog auch eines Tages bei ihren Eltern aus, um studieren und ein eigenes Leben zu leben. Auch über das Loch in der Wiese war wieder Gras gewachsen. Herr Wollenstein aber wurde für den Rest seines Lebens von seinem schmerzenden Rücken an diesen einen Sommer erinnert, in dem er seiner Tochter zum Geburtstag einen Gefallen getan hatte.


Die Geschichte von Nora ist inspiriert von einer Anekdote, die Michael Whitehall seinem Sohn Jack (in der ersten Staffel der Serie „Travels with my father„) über eine Tante Nora erzählt.

Ich fand die Geschichte sehr skurril und lustig. Und da ich auf solche skurrilen Sachen und die sehr britische Art stehe, wie sie erzählt wurde, musste ich sie aufschreiben.
Übrigens, kann ich die Serie zu den Reisen von Jack Whitehall und sein Vater durchaus empfehlen – nicht nur weil sie so unfassbar britisch ist.

The over-educated barista

I can cite to you what Cicero wrote to his best mates,
I can talk about the Punic wars, the enemies and the dates,
I can even tell about what Sophocles told his antique peers,
I can account for every major event including days, and months, and years.

I can discuss the ins-and-outs and the all-abouts,
I have opinions by the book,
I can grip you with my education and my dearest hook
On how bureaucracy and communism can cheat you off your life.
I can, without having ever dated, tell you how to treat your wife.
I have knowledge that I need to dispense
I have wisdom that compares to few.
I have stories, facts and interests,
Like Tibet, sports and nutrition,
just to name a few.
I am well versed, well read and easy forgotten.
I am the annoying know-it-all,
I am the one who always talks to you, that and makes others you feel so small.
I am the unambitous incarnation of your biggest fear
I am the incredible obnoxiousness that studied through the years
I am not going to be anything or going really far
I am the over-educated coffee shop barista

Muskat; 12:23 Uhr

Die Sonne scheint sanft durch die offenen Fenster und taucht das Ballet der Vorhänge in warmes Licht. Zum Tanz der trägen weißen Riesen gesellen sich die winzigen Staubkörnchen die durch das Licht fliegen und von warmen Wind getragen werden.
Die Hitze des Tages durchdringt alles und scheint die Zeit zu verlangsamen.
Der Wind trägt weiter feinen Staub zum Fenster hinein. Vom Meer her kommend riecht er früh am Tag schon nach dem Salz des Meeres und dem Dreck der Stadt.
Ganz sanft dringen die Klänge der geschäftigen Metropole herein, während sie erwacht. Langsam wie die Zeit entwickelt sich das Treiben und drängt sich als warmes Summen in den Raum hinein.
Es herrscht Chaos und es liegen überall Flaschen, Müll, Kleidung und Fotos einer Sofortbildkamera herum. Irgendwer hat eine Büste eines antiken Dichters oder Feldherrn in einem Blumenkübel versenkt.
Regungslos liegt ein Körper auf einem Sofa. Ein junger Mann. Lässig hängen Arme und Beine über die Lehnen, als würde er schlafen. Auf dem Glastisch neben ihm stehen leere Flaschen, manche braun manche grün oder weiß, manche leer. Eine ist sogar zerbrochen, ihre Scherben liegen herum und brechen das Licht.
Der Fernseher läuft stumm und wiederholt ein ums andere Mal die Informationsdauerschleife des Hotels.
Das Klopfen an der Tür verhallt ungehört. Auch die Wiederholung bleibt unbeantwortet. Das elektrische Surren des Schlosses kündigt die Öffnung der Tür an, doch der Eintritt in das Zimmer ist blockiert.
Ein Stuhl und ein Tisch sind so verkeilt, dass die Tür kaum einen Spalt zu öffnen ist.
Schon schließt sie sich wieder und hastig entfernen sich die Schritte, während von draußen durch die Fenster immer mehr die Hitze und der Lärm der Stadt in Innere dringen.
Es vergehen Momente in denen das Zimmer in Regungslosigkeit verharrt, bevor in einem jähen Moment die Türe unter einer Last von außen zerbricht.
Geborstenes Holz fliegt in das Zimmer hinein. Ein Loch scheint zur anderen Seite durch. Es folgt eine Hand, die von außen die Blockaden löst und Stuhl und Tisch zur Seite drängt.
Es folgen Menschen, die sich langsam eine Weg durch das Dickicht an Müll und Möbeln bahnen. In einer stillen Sekunde durchschneidet ein schriller Schrei die Luft, bevor allen Menschen der Atem stockt. Außer einem, er atmete schon vorher nicht.
Unter ihm haben sich längst die Pfützen gebildet, die von nun an das letzte Zeichen eines einst blühenden Lebens sein sollen. Die Zeichen des Endes. Ein Denkmal, das mir jedem weiteren Wischen eines Lappens weiter verblassen wird.
Und so vergeht weiter die Zeit, bis keine weitere Erinnerung bleibt.

Inspiration:

Die dicke rote Suppe tropfte ihr vom Kinn.

Die dicke rote Suppe tropfte ihr vom Kinn.
Animalisch grub sie trotzdem, immer wieder, ihre Zähne in das Fleisch.
Bissen um Bissen schlang sie ihr Mahl hinein, als würde sie drohen zu verhungern.
Mit dem Handrücken wischte sie sich geistesabwesend über den Mund. Am Ärmel blieb dabei der Saft ihrer Lippen kleben. Doch über die Wangen ersteckten sich weite rote Spuren und reichten fast bis zum Ohr.
Auch von ihren Händen begann der Saft zu tropfen und es kümmerte sie wenig, denn schon hatte sie den nächsten Bissen genommen. Mit Genuss und Hingabe grub sie sich immer tiefer hinein.
Schließlich war nichts mehr da. Nur noch die abgenagte leere leblose Hülle des satten Lebens das es Mal gewesen war.
Ungehindert griff sie dennoch zu und nahm das nächste Stück, das sich bot. So eine gute Kost würde nicht so schnell wiederkommen. So gute Wassermelone gab es selten.

Hallo Welt!

So startet jede WordPress-Installation und so starte ich auch in die wohl tausendste Instanz meines Blogs.

Ich habe immer wieder schon versucht zu bloggen, konnte mich aber nicht an eine Regelmäßigkeit gewöhnen. Ich habe es dann immer schnell sein gelassen und mich meiner Lieblingstätigkeit, dem Nichttuns, hingegeben.

Da ich das lästige Prokrastinieren ein weiteres Mal hinter mir lassen möchte, stürze ich mich nun in die Arbeit. Ich fange einfach immer mehr neue Projekte an, in der Hoffung dass ich dann auch weiter daran arbeite.

Was möchte ich hier nun also tun, so als Neu-Blogger?

Ich möchte schreiben.

Schon seit Jahren träume ich davon Bücher zu schrieben. Ich habe aber auch diesen Traum, wie so viele andere, immer vor mir her geschoben. Gemacht, angegangen oder gar zu Ende gebracht habe ich es nie.

Das soll und will ich ändern. Parallel dazu möchte ich eine Stelle schaffen, an der ich meine kreativen Versuche, meine Texte und Ansichten veröffentlichen kann.

Das Internet und Bloggen an sich sind jetzt nicht mehr ganz jung. Ich bin auch nicht der erste der es tut. Aber das ist mir egal. Ich möchte etwas schaffen, auf das ich verweisen kann. Wenn das dann vielleicht auch noch anderen gefällt, ist es umso besser.

Was die Blog-Posts angeht, werde ich mich auf meine eigenen kreativen Texte, Prosa und Lyrik, fokussieren, aber auch meine generellen Ideen und Inspirationen teilen. Schließlich bin ich nicht nur Autor sondern auch „digital professional“.

Los geht’s.